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Nürnberger Nachrichten 06.05.2006
Hilfe bei kniffligen Fällen
Nürnberger Au-pair-Agentur mit Gütesiegel ausgezeichnet
Lange Arbeitszeiten, keine Versicherung oder gar Missbrauch: Au-pairs kämpfen oft mit solchen Problemen. Seit März gibt es ein Gütezeichen für Au-pair-Agenturen, mit dem die Bundesregierung mehr Transparenz schaffen will. Unter den bundesweit ausgezeichneten 51 Agenturen sind zwei in Nürnberg. Eine davon ist die Beratungs- und Vermittlungsstelle „IN VIA“ Katholische Mädchenarbeit Nürnberg e.V. Die Lokalredaktion sprach mit deren Vermittlerin Margarete Nowak.
Aus welchen Ländern kommen die meisten Au-pairs und vermitteln Sie diese nur in Nürnberg?
Margarete Nowak: Die meisten jungen Frauen und Männer stammen aus Osteuropa. Wir betreuen Au-pairs und Gastfamilien hauptsächlich im Raum Mittelfranken. Der persönliche Kontakt zu den Gastfamilien ist uns sehr wichtig. Deshalb vermitteln wir nur selten auch außerhalb Mittelfrankens.
Halten Sie das neue Gütesiegel für sinnvoll?
Nowak:Seit 2002 darf jeder mit Gewerbeschein Au-pairs nach Deutschland holen und jede Familie kann privat eines anwerben. Niemand kontrolliert, ob die Agentur gewisse Standards einhält. Da viele Familien auf Hilfe im Haushalt angewiesen sind, ist der Markt groß. Die Einführung des Gütesiegels ist deshalb sinnvoll, damit die jungen Menschen aus dem Ausland, ebenso wie die hiesigen Gastfamilien, sofort erkennen, ob die Vermittlung durch eine geprüfte Agentur erfolgt und ob es für knifflige Situationen einen Ansprechpartner gibt.
Inwiefern bietet es den Au-pairs mehr Sicherheit?
Nowak: Insofern, als wir allen Au-pairs, die über unsere Agentur vermittelt werden, bei Problemen helfen. Das ist für uns jedoch nicht ganz neu. „IN VIA“ gab Au-pairs und Gastfamilien schon immer die Möglichkeit, uns bei Schwierigkeiten zu kontaktieren.
Welche Kriterien muss die Au-pair-Agentur erfüllen, wenn sie das Siegel bekommen möchten?
Nowak:Die Agenturen verpflichten sich, bei Gastfamilien darauf zu achten, dass Arbeits- und Wohnstandards eingehalten werden. Dazu gehören unter anderem das monatliche Taschengeld von 260 Euro, der Abschluss einer Kranken -, Unfall - und Haftpflichtversicherung und ein eigenes Zimmer. Die Au-pairs übernehmen bis zu sechs Stunden am Tag und 30 Stunden pro Woche die Kinderbetreuung und leichte Hausarbeiten. Außerdem müssen Sie Erfahrungen mit Kindern und erste Sprachkenntnisse haben.
Bietet das Siegel auch Vorteile für die Agenturen?
Nowak: Zunächst einmal bedeutet es für die Agenturen mehr Arbeit. Vor allem der Verwaltungsaufwand wurde umfangreicher. Als gemeinnützige Einrichtung stehen für uns aber der Schutz und die Rechte junger Au-pairs im Vordergrund. Den Vorteil für uns sehen wir in der Transparenz unserer Arbeit, die wir der Öffentlichkeit zugänglich machen wollen.
Haben in den vergangenen Jahren die Probleme, mit denen Au-pairs zu kämpfen haben, zugenommen?
Nowak: Ja, vor allem seit der Liberalisierung des Arbeitsmarktes im Jahr 2002 im Au-pair-Bereich. Die geänderten Bestimmungen bei der Arbeitsvermittlung führten dazu, dass junge Mädchen und Frauen verstärkt Opfer von Ausbeutung oder Missbrauch wurden. Deshalb hoffen wir, dass zukünftig Au-pairs nur noch durch Vermittlung von Agenturen mit Gütesiegel nach Deutschland einreisen.
Hilft die Agentur auch dann, wenn die Zusammenarbeit zwischen Au-pairs und den Familien nicht klappt?
Nowak: Gerade dann ist Beratung gefragt. Man kann nie ganz ausschließen, dass die Chemie zwischen Au-pair und Familie nicht stimmt. Zwar informieren unsere pädagogisch ausgebildeten Mitarbeiter die Au-pairs individuell über Rahmenbedingungen und bereiten sie auf ihre Aufenthalte vor. Trotzdem bleibt ein Risiko. Wir versuchen auch in schwierigen Situationen eine Lösung für die Probleme zu finden.Im schlimmsten Fall suchen wir für Au-pairs eine neue Gastfamilie.
Bevorzugen Au-pairs mittlerweile Agenturen, die das Siegel haben?
Nowak: Nachdem es das Siegel erst seit wenigen Wochen gibt, können wir noch keine konkreten Zahlen nennen. Wir gehen jedoch stark davon aus, dass Sicherheit, Transparenz und Seriosität der Agenturen nicht ohne Bedeutung für junge Mädchen und Frauen in einem fremden Land sind. Interview: Gwendolyn Kuhn |
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